Unternehmensprofil
Bolliger & Mabillard, meist als B&M bezeichnet, gehört zu den prägenden Namen der modernen Achterbahnindustrie. Das Unternehmen sitzt in Monthey im Schweizer Kanton Wallis und arbeitet als spezialisiertes Ingenieurbüro für maßgeschneiderte Stahlachterbahnen. B&M ist weniger für reine Serienlayouts bekannt, sondern für Anlagen, die an Gelände, Kapazitätsbedarf, Zielgruppe und Dramaturgie eines Parks angepasst werden. Deshalb können Achterbahnen derselben Produktfamilie sehr unterschiedlich wirken, obwohl sie auf gemeinsamen technischen Prinzipien beruhen.
Der Ruf des Unternehmens basiert auf Laufruhe, Präzision und Verlässlichkeit. Die markante Stahlkonstruktion mit kräftigem Kastenträger wurde seit den 1990er Jahren zu einem wiedererkennbaren Bild großer Stahlachterbahnen. Viele klassische B&M-Züge nutzen vier Sitze nebeneinander, breite Übergänge und sorgfältig berechnete Neigungen. Für Freizeitparks sind solche Anlagen oft Hauptinvestitionen: Sie sind weithin sichtbar, lassen sich gut vermarkten und sind für eine langfristige, kapazitätsstarke Nutzung ausgelegt.
Zum Portfolio gehören mehrere Produktlinien, die Erwartungen in der Branche verändert haben. Der Inverted Coaster positioniert die Fahrgäste unter der Schiene mit frei hängenden Beinen; Batman: The Ride machte dieses Konzept 1992 weltweit bekannt. Der Dive Coaster brachte die szenische Pause am Rand eines steilen Sturzes, zunächst mit Oblivion und später in größeren Ausführungen wie SheiKra, Griffon, Valkyria und Baron 1898. Hyper und Giga Coaster setzen auf Höhe, Geschwindigkeit und Airtime, sichtbar bei Silver Star, Shambhala, Mako und Fury 325. Wing Coaster platzieren die Sitze seitlich neben der Schiene und verstärken dadurch Ausgesetztheit und Near-Miss-Momente. Jüngere Linien wie Surf Coaster und Family Coaster zeigen, dass B&M seine Ingenieurtradition auch für neue Zielgruppen und zugänglichere Thrill-Niveaus weiterentwickelt.
Für W8baan ist B&M besonders wichtig, weil die Anlagen des Herstellers in vielen führenden europäischen und internationalen Parks vertreten sind. Dazu zählen Baron 1898 in der Efteling, Fēnix in Toverland, Shambhala und Dragon Khan in PortAventura, Silver Star im Europa-Park, Valkyria in Liseberg, The Incredible Hulk Coaster in Universal Islands of Adventure, The Flying Dinosaur in Universal Studios Japan sowie mehrere Anlagen bei SeaWorld und Busch Gardens. B&M verbindet damit technische Innovation, Parkidentität und die weltweite Entwicklung der Stahlachterbahn als Leuchtturmattraktion.
Wichtig ist auch die Breite des Portfolios. B&M baut nicht nur extreme Thrill-Rides, sondern überträgt ähnliche technische Prinzipien auf Familienbahnen, kompakte Parkikonen und große Rekordprojekte. Dadurch ist das Unternehmen für Parks interessant, die eine neue Skyline schaffen wollen, ebenso wie für Betreiber, die vor allem planbare Kapazität, wartbare Technik und eine über viele Saisons attraktive Anlage suchen.
Gerade in europäischen Parks zeigt sich dieser Ansatz deutlich: B&M-Anlagen müssen häufig in bestehende Parkstrukturen, strenge Auflagen und starke thematische Erwartungen passen. Der Hersteller verbindet deshalb groß dimensionierte Stahltechnik mit einer zurückhaltenden, präzisen Planung, die dem Park Raum für eigene Gestaltung lässt.
Geschichte
Die Geschichte von Bolliger & Mabillard ist eng mit dem Schweizer Maschinenbauumfeld von Giovanola verbunden, einem Unternehmen, das bereits vor der Gründung von B&M an großen Stahlachterbahnprojekten beteiligt war. Walter Bolliger und Claude Mabillard sammelten dort Erfahrung mit Konstruktion, Fahrzeugen und Schienensystemen. 1988 gründeten sie in Monthey ihr eigenes Ingenieurbüro. Der Anfang war klein, doch durch Kontakte in die amerikanische Freizeitparkbranche entstand bald eine wichtige Gelegenheit bei Six Flags Great America.
Aus diesem Auftrag wurde Iron Wolf, eröffnet 1990. Die Bahn war das erste große Eigenprojekt von B&M und zeigte Merkmale, die später typisch wurden: eine kräftige Stahlstruktur, kompakte Überschläge und Fahrzeuge mit vier Sitzen nebeneinander. Der eigentliche Durchbruch folgte 1992 mit Batman: The Ride, ebenfalls bei Six Flags Great America. Dieser Inverted Coaster führte den Zug unter der Schiene und ließ die Beine frei hängen. Das Ergebnis war ein intensives, kompaktes System, das weltweit Beachtung fand und viele Nachfolger inspirierte.
In den folgenden Jahren erweiterte B&M sein Angebot deutlich. Kumba in Busch Gardens Tampa zeigte, wie groß angelegte Sit-down-Loopingbahnen mit fließenden Übergängen funktionieren konnten. Oblivion in Alton Towers brachte 1998 den Dive Coaster auf den Markt. Medusa bei Six Flags Great Adventure machte 1999 den Floorless Coaster bekannt, während The Incredible Hulk Coaster in Universal Islands of Adventure B&M-Technik mit einem Launch verband. Hyper Coaster wie Apollo's Chariot, Nitro, Silver Star und Shambhala verschoben den Schwerpunkt auf Höhe, Geschwindigkeit und Airtime.
Seit den 2000er Jahren entwickelte sich B&M zu einem globalen Lieferanten für führende Parks in Europa, Nordamerika, Asien und dem Nahen Osten. Viele Anlagen wurden zu Wahrzeichen ihrer Parks. Der Wing Coaster erschien 2011 mit Raptor in Gardaland und wurde später in Varianten wie Fēnix, GateKeeper und Rapterra weitergeführt. In den 2020er Jahren kamen neue Richtungen hinzu, darunter familienorientierte und surf-inspirierte Anlagen wie Pipeline, Penguin Trek, Phoenix Rising und The Big Bad Wolf: The Wolf's Revenge. So blieb das Unternehmen innovativ, ohne seine Grundlinie aus Präzision, individueller Planung und langer Lebensdauer aufzugeben.
Innovationen und Technologie
Die technische Handschrift von Bolliger & Mabillard beginnt bei der Schienenkonstruktion. Viele B&M-Achterbahnen nutzen zwei Fahrschienen, die über dreieckige Querverbindungen mit einem großen Stahl-Kastenträger verbunden sind. Diese Struktur ist steif, gut erkennbar und für hohe Kräfte, breite Züge und große Spannweiten geeignet. Gleichzeitig ermöglicht sie eine präzise Formgebung von Kurven, Übergängen und Überschlägen, während die Anlage für Besucher optisch klar lesbar bleibt.
Die Produktfamilien von B&M werden als Gesamtsysteme entwickelt, in denen Fahrzeuge, Rückhaltesysteme, Stationsabläufe und Geometrie zusammen gedacht werden. Beim Inverted Coaster hängt der Zug unter der Schiene, sodass Sicht und frei hängende Beine Teil der Wirkung werden. Der Dive Coaster nutzt breite, oft bodenlose Fahrzeuge und eine Haltebremse vor dem ersten steilen Fall. Hyper und Giga Coaster setzen auf große Abfahrten, frei wirkende Schoßbügel und lange Airtime-Hügel. Wing Coaster verlegen die Sitze an die Seite der Schiene und verstärken dadurch Rollbewegungen und Near-Miss-Effekte. Surf Coaster kombinieren eine stehende Fahrhaltung mit moderneren Rückhaltesystemen für mehr Bewegungsgefühl.
Betriebliche Zuverlässigkeit ist ein wichtiger Teil der Konstruktion. B&M-Layouts vermeiden meist unnötig harte Übergänge, Stationen sind für geordnete Abfertigung geplant und Züge werden auf langfristige Wartbarkeit ausgelegt. Neuere Linien zeigen mehr Vielfalt: Family Coaster mit niedrigeren Größenanforderungen, Launch Coaster mit verschiedenen Fahrzeugkonfigurationen und weiterentwickelte Rückhaltesysteme für Komfort und Freiheit. Innovation bedeutet bei B&M daher nicht nur Rekordhöhe, sondern die kontrollierte Übersetzung gewünschter Fahrgefühle in dauerhafte Technik.
Bei vielen Projekten arbeitet B&M eng mit den baulichen, kreativen und operativen Teams des Parks zusammen. Die Bahn muss nicht nur spektakulär sein, sondern auch zu Fundamenten, Lärmschutz, Evakuationskonzepten, Sicherheitsabläufen und täglicher Abfertigung passen. Diese integrierte Arbeitsweise erklärt, warum der Hersteller häufig für komplexe Standorte und langfristige Flaggschiffprojekte gewählt wird.
Einfluss auf die Branche
Der Einfluss von B&M ist groß, weil das Unternehmen neue Achterbahntypen nicht nur entwickelte, sondern sie auch für große Parkinvestitionen vertrauenswürdig machte. Nach Batman: The Ride wurde der Inverted Coaster zum weltweiten Vorbild für kompakte, intensive Stahlachterbahnen. Der Dive Coaster machte die Pause über dem Abgrund zu einem dramatischen Showmoment, das sich gut in Themenbereiche integrieren lässt. Hyper Coaster von B&M trugen dazu bei, Airtime, Höhe und Komfort einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Auch die Erwartungen an Zuverlässigkeit wurden geprägt. Große Betreiber wählen B&M häufig, wenn eine Achterbahn ein langlebiges Flaggschiff sein soll. Das zeigt sich bei Efteling, Europa-Park, PortAventura, Universal, SeaWorld, Busch Gardens sowie Parks von Cedar Fair und Six Flags. Dort ist eine B&M-Anlage zugleich Technik, Marketingargument und Teil der Skyline.
Für die Branche war besonders die Verbindung von Innovation und disziplinierter Konstruktion wichtig. B&M präsentiert neue Ideen selten als riskante Experimente. Meist wirken sie wie kontrollierte Weiterentwicklungen vorhandener Erfahrung. So setzte das Unternehmen Maßstäbe für ruhige Übergänge, hohe Kapazität, starke visuelle Identität und individuelle Entwürfe, die über viele Saisons verlässlich bleiben.
Auch ästhetisch wurde B&M prägend. Die große, klar geformte Schiene und oft elegant wirkende Züge machten die Achterbahn selbst zum Gestaltungsobjekt. Parks konnten die Konstruktion als Wiedererkennungsmerkmal nutzen, selbst wenn die Thematisierung eher zurückhaltend blieb.
Aktuelle Aktivitäten
Bolliger & Mabillard ist weiterhin von Monthey aus aktiv und präsentiert sich als Anbieter maßgeschneiderter Achterbahnen und langfristiger Serviceleistungen. Zu den offiziellen Produktfamilien gehören unter anderem Flying, Dive, Wing, Hyper, Surf, Inverted, Floorless, Sitting, Launch und Family Coaster. Neuere Anlagen zeigen, dass das Unternehmen sowohl große Thrill-Projekte als auch zugänglichere Familienvarianten entwickelt.
In den Jahren 2024 und 2025 erschienen in der offiziellen Projektkommunikation unter anderem Penguin Trek, Phoenix Rising, Rapterra, Wrath of Rakshasa und The Big Bad Wolf: The Wolf's Revenge. Außerdem kündigte B&M eine Zusammenarbeit für Tormenta Rampaging Run bei Six Flags Over Texas an, geplant für 2026. Das Unternehmen bleibt auf internationalen IAAPA-Messen sichtbar. Der aktuelle Betrieb konzentriert sich damit auf Entwurf, Engineering, Projektabwicklung, Service und Beziehungen zu großen Parkgruppen.
Der Kern des Unternehmens bleibt spezialisiert: B&M bietet kein breites Konsumentenprogramm an, sondern arbeitet projektweise mit Parks, die maßgeschneiderte Bahnen suchen. Das aktuelle Portfolio zeigt mehr Abstufungen der Intensität, von extremen Dive- und Wing-Projekten bis zu familienorientierten Launch- und Inverted-Lösungen mit niedrigerer Einstiegshürde.
Designphilosophie
Die Entwurfsphilosophie von B&M ist pragmatisch und präzise. Ein Projekt beginnt nicht nur mit der Frage nach Rekord oder Modelltyp, sondern mit Gelände, Kapazität, Zielgruppe, Wartung und gewünschter Emotion. Der Hersteller nutzt wiedererkennbare technische Bausteine, passt Layout, Zugkonfiguration und Dramaturgie aber an den jeweiligen Park an.
Deshalb wirken viele B&M-Anlagen kontrolliert, selbst wenn die Kräfte stark sind. Das Unternehmen bevorzugt fließende Übergänge, eine klare Steigerung der Fahrt und Komfort, der Wiederholungsfahrten ermöglicht. Die Thematisierung entsteht meist beim Park oder bei kreativen Partnern, doch B&M liefert die mechanische Dramaturgie: Fall, Überschlag, Airtime, Hangtime oder Near Miss, die eine Geschichte körperlich erlebbar machen. Diese zurückhaltende, konsequente Haltung erklärt, warum viele B&M-Bahnen über Jahrzehnte beliebt bleiben.
B&M bevorzugt dabei häufig Klarheit statt Überladung. Die Stärke der Anlage entsteht aus lesbarer Form, der Abfolge von Kräften und der Verlässlichkeit der Ausführung. Eine gute B&M-Bahn muss nicht jedes Element maximieren; sie muss die richtigen Momente präzise wirken lassen.